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Petama Thema August 'Unser göttlicher und unser menschlicher Teil -3' aus Hazrat Inayat Khan: 'Healing Papers' |
Jemand sieht, dass sein Mantel abgetragen und schäbig ist, und sagt: ‘Ich bin arm.’ Er sieht, dass sein Mantel prächtig ist, und denkt: ‘Ich bin großartig.’ Nicht er selbst ist großartig, sondern sein Mantel. Was auch immer sich der Seele darbietet, erkennt die Seele als ‘Ich’. Aber was ist ‘Ich’? Der Mantel ist nicht das Ich, denn wenn wir den Mantel ausziehen, bleibt das Selbst bestehen. Auch wenn wir nichts mit den Sinnen wahrnehmen, bleibt das Bewusstsein dennoch bestehen. Ein Sufi schafft durch das Ruhighalten der Sinne, durch verschiedene Körperhaltungen und Übungen Stille; und dann lässt er durch die Wiederholung des Namens Gottes sein Bewusstsein im allumfassenden Bewusstsein, in Gott, verschmelzen. Dies haben die griechischen Philosophen verstanden; auch die Vedantisten haben es verstanden. Ein Sufi hält an der Verehrung und Ehrfurcht fest, die er für Gott empfindet; er verneigt sich und stellt sich vor Gott. Und er gibt Gott den schönen Namen ‘Geliebter’. Er versteht, dass er Gott verherrlicht, wenn er sagt: ‘Auch dies ist Gott’; er schmälert Ihn dadurch nicht. Mit all seiner Demut, mit all seiner Hingabe verwirklicht er seine Einheit mit dem höchsten Wesen. Es ist schwierig, Gott vom Menschen zu trennen; in Wirklichkeit gibt es keine Trennung. Gottes Handeln und menschliches Handeln sind ein und dasselbe; Gottes Handeln ist vollkommen, menschliches Handeln hingegen unvollkommen. Wir hier auf Erden sind von so vielen Dingen abhängig. Zuallererst müssen wir essen. Wenn wir nicht essen müssten, müssten wir auch nicht arbeiten; wir könnten mit unseren Freunden zusammensitzen und an Gott oder an etwas anderes denken. Dann müssen wir schlafen; und es gibt noch so viele andere Notwendigkeiten. Es gibt einen Vers von Zahir, er sagt: ‘Die Suchenden haben sich selbst verloren, noch bevor sie Dich suchten.’ Und der große Dichter Amir sagt: ‘Sagt nicht, dass ein Mensch Gott sei, denn er ist nicht Gott. Und sagt nicht, dass ein Mensch von Gott getrennt sei, denn er ist nicht von Gott getrennt.‘ Es ist nicht schwer, verborgene Kräfte zu haben; tugendhaft zu sein ist nicht schwer, ebenso wenig wie ein reines Leben zu führen. Doch barmherzig zu sein, mitfühlend zu sein, menschlich zu sein – das ist schwierig. Gott hat viele Namen: der Große, der Allmächtige, der Herrscher, doch meist wird Er der Barmherzige und der Mitfühlende genannt. In diesen Eigenschaften sind wir niemals vollkommen, und wir werden es auch niemals sein. Wir sollten uns abends in unser Zimmer zurückziehen und Buße tun für das, was wir getan haben, für all die tausend schlechten Gedanken, die wir über Freunde und Feinde gehegt haben. Ein persischer Dichter sagt: 'Das ganze Geheimnis der beiden Welten liegt in diesen Worten: Sei liebevoll zu deinen Freunden, sei höflich zu deinen Feinden.’ Wenn wir dies verstanden haben, dann ist diese Welt nichts; und wenn wir erkannt haben, dass sie vergänglich ist, warum lassen wir dann nicht andere sich vergnügen, während wir zusehen? Warum lassen wir nicht andere ein schönes Kleid anziehen, während wir es betrachten? Warum lassen wir nicht andere ein gutes Abendessen genießen, während wir zusehen oder in der Küche bleiben und es zubereiten? Warum lassen wir nicht andere in der Kutsche sitzen und wir ziehen sie, anstatt selbst darin zu sitzen und andere sie ziehen zu lassen? Ein edles Leben zu führen bedeutet, barmherzig und mitfühlend zu sein. Doch jeder Mensch neigt dazu, sich das Beste von anderen zu nehmen; selbst in der Freundschaft ist diese Neigung vorhanden. Alle streben nach ihrem eigenen Vergnügen und wollen das Schlimmste dem anderen überlassen; doch wenn wir Gott suchen, sollten wir den entgegengesetzten Weg einschlagen, auch wenn er im Widerspruch zu der ganzen Welt steht. Es gibt drei Kurse: Der Erste ist das Entsagen – dies ist der Weg der Heiligen und Weisen. Es bedeutet, dem Ideal zu folgen und alle Schwierigkeiten, Leiden und Ungerechtigkeiten zu akzeptieren, die sich daraus ergeben mögen. Der Zweite ist Egoismus, was bedeutet, egoistischer zu sein als der Rest der Welt. Der Dritte ist der Wichtigste und zugleich der Schwierigste. Es bedeutet, alle Verantwortungen, alle Sorgen des Lebens, Freunde und alles andere zu tragen und dabei so selbstlos und so gut wie möglich zu sein – und dennoch gerade bis dahin egoistisch, dass wir uns nicht unterbuttern lassen. Wenn sich jemand im Kreis dreht, macht er es beim ersten Mal langsam, beim zweiten Mal schneller, beim vierten Mal noch schneller, und beim fünften, sechsten, siebten oder achten Mal fällt er hin. Das erste Mal erlebt er die Freude am Drehen, beim zweiten, dritten und vierten Mal erlebt er sie immer intensiver, bis er schließlich davon berauscht ist, hinfällt und sie in vollen Zügen genießt. Genau das tut das Universum seit jeher, Tag und Nacht, von der Schöpfung bis heute. In jeder Tätigkeit liegt eine Art Rausch. Was auch immer wir tun, wir möchten immer mehr davon tun, ganz gleich, um welche Tätigkeit es sich handelt. Ist ein Mensch ein Patriot, wird er immer patriotischer. Ein Sänger wird immer mehr Lieder singen, bis er seine Stimme verliert. Wer spielt, wird immer mehr spielen wollen. Wer betrunken oder unter Drogen steht, wird immer mehr von dem entsprechenden Alkohol oder den entsprechenden Drogen wollen. Hafiz sagt: ‘Noch vor Sonnenaufgang wurde der Wein ausgeschenkt. Der Wein stammte aus den Augen des Saki, des Weinspenders.’ Saki ist die Erscheinungsform, die uns so sehr berauscht, dass wir glauben, dies sei alles, was existiert, bis wir ihr so sehr verfallen sind, dass wir uns nicht mehr daraus befreien können. Gedanken haben Worte, Gefühle haben eine Stimme, Worte haben Gestalt, die Stimme hat eine Seele.
Vadan - Talas |
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