Thema November

Unsere Inneren Sinne erwecken - 2

aus: Hazrat Inayat Khan -

Social Gathekas

(siehe auch Ratgeber)

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Intellektuelles Lernen kann das ganze Leben dauern, da ist kein Ende. Aus diesem Grund fördert der Lehrer Spekulationen nicht. Eine Doktrin bedeutet, sich von anderen Doktrinen abzutrennen. Ein Sufi gehört zu jeder Religion. Ein Sufi hält keine besonderen Über-zeugungen oder Spekulationen. Der eine Sufi glaubt zum Beispiel an Reinkarnation und ein anderer verwirklicht Himmel und Hölle. Die Arbeit des Sufis ist die persönliche Entwicklung. Es ist wichtig, was Ihr selber lebt und erarbeitet, und nicht, was der Lehrer sagt. Der Lehrer kann euch einen Schutz geben. Der Lehrer kann sagen: ‘Ja, so ist es, es ist auch meine Erfahrung’.

Einweihung umfasst mehrere Stufen. Der Lehrer gibt euch Vertrauen, doch die wahre Einweihung ist das Werk Gottes. Kein Lehrer kann und wird beurteilen. Der Schüler ist jemand, dem ein Lehrer gerne vertraut; alle sind dem Lehrer willkommen. Der Lehrer ist geistig Vater und Mutter gegenüber dem Schüler. Das Leben des Lehrers ist oft von Opfer geprägt; er oder sie wird verfolgt und erleidet viel. Die wenige Hilfe, die ein Lehrer geben kann, wird er oder sie sicher geben.

Es ist keine besondere Qualifikation erforderlich, um Schüler zu werden. Der Lehrer gibt, und der Schüler kann es aufnehmen. Die Lehre ist wie ein kostbares Juwel, das in einem Stein verborgen ist. Es ist Aufgabe des Schülers, den Stein zu zerbrechen und das Juwel zu finden.

Im Osten ist diese innere Lehre Teil der Religion. Im Westen wird sie oft nur als Bildung betrachtet. Es sollte eine heilige Erziehung sein. Im Osten gibt der Murshid eine Übung und der Schüler praktiziert sie einen Monat oder ein Jahr lang. Wir können nicht jede Woche eine andere Übung haben. Mein Großvater übte eine Meditation vierzig Jahre lang: dann geschah ein Wunder für ihn. Wir sollten nicht ehrgeizig sein gegenüber neuen Übungen; zuerst müssen wir ein Ergebnis der ersten Übung erreichen. Und wir müssen versprechen, über diese Übungen nicht zu reden.

Da ist auch das Studium der Sufi-Lehren, ein Teil ist für Eingeweihte und der andere für Nicht-Eingeweihte bestimmt. Nur der Murshid kann eine Einweihung geben. Aber Studienzyklen können auch andere erteilen, wenn sie wissen, wie man sie gibt, dies für eine gewisse Zeit. Wir schreiben keine Notizen davon auf, denn von dem, was wir hören und sehen, haben wir doppelt so viel Nutzen. Manchmal können wir die Tiefe einer Lehre nicht sofort erfassen und verstehen sie erst später. Ich sang fünfzehn Jahre lang ein Mantra, ohne es zu verstehen, und dann wurde es mir plötzlich seine Bedeutung offenbart. In jedem von uns wohnt ein Lehrer, der lehrt, wenn die Zeit reif ist.

Unsere Neigung ist, Dinge zu diskutieren, aber dies sollte nie zu einem Hobby werden. Niemand erreicht Frieden durch Kämpfen. Über die Lehren diskutieren wir nicht; der Geist in uns soll sie abwägen, verstehenlernen. Wenn Fehler entstehen, kommen sie vom Murshid, nicht von dem, der durch Murshid spricht. Der Dank für alles Gute und die Weisheit gehören Gott, nicht einem Menschen. Streitet nicht darüber, nehmt es oder lasst es. Nutzt das, was euch entspricht, und vergesst, was euch nicht gefällt. Meine Botschaft ist für die Gesamheit der Menschen und nicht nur für bestimmte einzelne Menschen. Was ich euch gebe, solltet ihr anderen auch weitergeben.


Wer in seinem Herzen Platz für andere schafft,

wird selbst überall eine Unterkunft finden.

 

Gayan - Boulas


(Maheboob Khan, Hazrat Inayat Khans Bruder, hat in der Mitte des letzten Jahrhunderts eine Reihe von Hazrat Inayat Khans Aphorismen in Musik gesetzt, wie das ‘Every Step in Thy Path’. Mohammed Ali Khan, Hazrat Inayat Khans Cousin, hat ums Jahr 1956 herum dieses Lied in einem Konzert in Zürich gesungen – hier könnt Ihr es hören)


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