Thema Januar

Was unser Leben zusammenhält - 3

aus: Hazrat Inayat Khan -

Healing and the Mind World

(siehe auch Ratgeber)

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Nicht nur in Karten oder Kristallkugeln können wir Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft lesen, sondern in vielen anderen Mitteln, wenn wir mit allen Adern des Universums in Verbindung stehen. Die einen sind besser, andere schlechter, aber durch jedes Medium können wir zu einem Verständnis gelangen und so beweisen, dass hinter allem ein Leben steht. Ein Mensch kann lernen, Gutes zu tun, er kann Gerechtigkeit lernen, doch ist dies eine Tugend, die ihm als Ergebnis einer bestimmten Lehre aufgezwungen wird. Wahre Tugend entsteht nur dann, wenn wir die Einheit des Lebens verstehen und auf diese Weise den Menschen an Freund und Feind gleichermaßen binden. Jesus Christus lehrt: 'Liebet  eure Feinde'. Und wenn es oft schon schwierig ist, unsere Freunde zu lieben, sind wir noch weniger in der Lage, unsere Feinde zu lieben, wenn wir nicht das Geheimnis des einen Lebens hinter allem erkennen, trotz der Welt der Vielfalt, die ständig Illusionen vor uns hinstellt.

Wenn wir in Religion, Philosophie oder Mystik zu dieser Erkenntnis gelangen, dann berühren wir das Geheimnis des Lebens, und gewinnen so eine mächtige Kraft, ohne dass es dafür ein Wunder bräuchte. Diese Lektion ist im Intellekt leicht zu lernen; diese Wahrheit können wir in einem Augenblick wie Nahrung aufnehmen, doch dies ist nicht genug. Um sie zu verdauen, reicht unser ganzes Leben nicht aus, denn die Wahrheit vermischt sich mit Fakten, und wenn Wahrheit zu Fakten wird, verliert sie ihre Bedeutung. In der Welt der Vielfalt sind wir geneigt, die Wahrheit zu vergessen, denn wir sind immer in die Fakten vertieft. Deshalb versuchen Menschen, die viel Zeit in Meditation verbringen, die Einheit des Seins in ihren Gedanken zu halten und versuchen, über die letzte Wahrheit des Seins zu meditieren. Dies funktioniert so, wie wenn wir eine Uhr aufzögen: es dauert nur eine Minute, um sie aufzuziehen, doch sie läuft den ganzen Tag lang weiter. In der Meditation lebt also der immer gleiche Gedanke weiter, und in allem, was wir tun oder sagen, ist dessen Basis immer diese gleiche Wahrheit.

Wie viel Schaden wird durch das mangelnde Verständnis dieser Wahrheit verursacht! Alle Katastrophen wie Kriege, Überschwemmungen, Erdbeben, Hungersnöte, all die schrecklichen Ereignisse, die von Menschen nicht kontrolliert werden können, kommen aus der Unordnung im Körper des Universums. Wenn das Blut in Unordnung ist, geht alles falsch, und obwohl es manchmal scheint, dass das, was für einen Teil schädlich ist, für einen anderen Teil hilfreich sei, erkennen wir doch auf lange Sicht, dass jeder Teil leidet. Die Nachwirkung davon empfindet die ganz Welt, als Belastung und Schmerz und alle Arten von Leid.

Wenn wir unsere Augen aus dieser Welt der Illusion erheben und aufschauen und Gott bitten könnten, uns das Geheimnis und das Mysterium seiner Schöpfung zu verraten, würden wir als Antwort hören, dass jedes Ding und Wesen an seinem ganz eigenen Platz lebt und jedes mit der Arbeit beschäftigt ist, wie sie im gesamten Konzept der Natur getan werden muss. Das Leben ist eine Symphonie; und die Aufgabe eines jeden Menschen in dieser Symphonie ist, seine besondere Rolle in dieser Musik zu spielen.

Als der Krieg begann, wurden alle Menschen zu den Waffen gerufen und unabhängig von ihrem Beruf, ihrer Qualifikation oder ihren moralischen Normen dorthin gebracht, wo sie am meisten gebraucht wurden. Der Grund dafür war, dass der ‘Ruf des Zwecks’ erste Überlegung war. Wenn es etwas gibt, das dem Denker Frieden bringt, dann ist es das Verständnis dieser Vorstellung.

Der Gedanke, dass wir heute wegen unseren Sünden in einem vergangenen Leben leiden, mag eine Antwort auf die Fragen und Überlegungen des Geistes bringen und ihn davon abhalten, jetzt gerade zu rebellieren, aber wird er die Irritation, die das Elend im Herzen verursacht, wegnehmen?

Wird dieses Verständnis einem Gott jemals verzeihen können, dass sein Urteil so streng war? Ein Mensch mag seine Fehler der Vergangenheit eingestehen, aber wird er jemals an Gott als einen Gott der Liebe und des Mitgefühls, als einen Gott der Barmherzigkeit oder als einen Gott der Vergebung glauben können?

Wenn Gott von uns Menschen getrennt wäre, und wenn er sich über das Leiden der Menschen freuen würde, dann könnten wir ihm vielleicht die Schuld geben. Jedoch erkennt ein Sufi, dass Er auch Leid und der Leidende ist; gleichzeitig ist Er doch jenseits allen Leidens.

Diese Tatsache können wir verstehen, wenn wir nicht nur an Gott glauben, sondern Ihn wirklich kennen. Angenommen, unsere Hände würden ein schweres Gewicht auf unsere Füße fallen lassen und sie verletzen, sollen wir dann unseren Händen Schuld geben? Nein, denn sie teilen den Schmerz mit den Füßen, und auch wenn die Füße verletzt zu sein scheinen, so ist doch das, was den Schmerz fühlt, unser Wesen, unser ganzes Wesen, und deshalb teilt die Hand den Schmerz mit dem Fuß.

So ist es bei Gott: alles Leben ist Sein und Er nimmt an jedem Gefühl von Freude und Schmerz teil, das wir empfinden; doch gleichzeitig hebt Ihn Sein vollkommenes Wesen über alle irdischen Freuden und Leiden, während unsere Unvollkommenheit uns begrenzt, so dass wir allen Freuden und Leiden unterworfen sind, wie klein sie auch sein mögen.

Man fragt sich oft, warum ein Mensch leiden und Gott Opfer bringen soll. Wenn sein Leiden und sein Opfer vorbei ist, wird er feststellen, dass er zwar angefangen hat, dies für Gott zu tun, doch erkennt er am Ende, dass es sogar für ihn selber war.


Wie soll ich Dir für Deine Barmherzigkeit und Dein Mitleid danken, o König meiner Seele?

Was tatest du nicht für mich, als ich allein durch die Wüste ging, in der Dunkelheit der Nacht?

Du kamst mit deiner brennenden Fackel und erleuchtetest meinen Pfad.

Erfroren in der Kälte der Hartherzigkeit der Welt suchte ich bei Dir Zuflucht,

und Du hast mich mit Deiner unendlichen Liebe getröstet.

Ich klopfte schliesslich an Dein Tor, als ich keine Antwort von irgendwo auf der Welt erhielt;

und Du hast bereitwillig geantwortet auf den Ruf meines gebrochenen Herzens.

 

Gayan - Ragas


(Maheboob Khan, Hazrat Inayat Khans Bruder, hat in der Mitte des letzten Jahrhunderts eine Reihe von Hazrat Inayat Khans Aphorismen in Musik gesetzt, wie das ‘How Shall I Thank Thee’. Mohammed Ali Khan, Hazrat Inayat Khans Cousin, hat ums Jahr 1956 herum dieses Lied in einem Konzert in Zürich gesungen – hier könnt Ihr es hören)


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