Peace

Thema Dezember

Der Jüngste Tag - 3

.aus: Hazrat Inayat Khan -

'Aqibat, Life After Death'

(siehe auch Forum)

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Es gibt eine Zeit, in der unser Ich alles begehrt, was es verlockt, doch wenn dieses Stadium des Anfangs und der Handlung vorbei ist, bleibt Hilflosigkeit zurück.

Unser Leben hat drei Teile, jenen vor unserer Geburt, die Zeit unseres Lebens hier und die Zeit nach dem Tod. Wenn wir unser Leben hier und im Jenseits betrachten, erkennen wir: Unser Leben auf der Erde ist unsere Jugend, und das Alter im Jenseits ist die Zeit, in der wir die Früchte unserer Handlungen ernten.
Und das Gericht kommt im Alter, in der Zeit nach dem Tod.

Auch in der Kunst gibt es diese drei Aspekte. In der Musik kommt zuerst die Einleitung, dann die Musik in ihrer ganzen Pracht, dann der Schluss, er gibt die Essenz von allem, was vorher war, wieder. In der Malerei entwirft der Künstler zuerst das Bild, dann malt er es, und dann betrachtet er es; wenn es ihm nicht gefällt, löscht er oder zerreißt es.

Wir könnten sagen: ‘Doch du hast es selbst gemalt, warum zerreißt du es?’ - wenn er es betrachtet, stellt er manchmal fest, dass es wertlos ist. Unsere Welt hier ist das Bild des Schöpfers. Der Schöpfer sieht sich sein Werk wie ein Künstler an und verändert es, verbessert es oder löscht es aus, wie es Ihm am besten gefällt.

Warum ist der Name des Jüngsten Tages ‘Tag’? Unser Tag ist, wenn wir wach sind, unsere Nacht ist, wenn wir schlafen. Es handelt sich nicht um den Tag und die Nacht der Erde, die auf je zwölf Stunden begrenzt sind, sondern um den Tag und die Nacht des Bewusstseins. Was den einen Tag vom anderen trennt, was uns die Tage unterscheiden lässt, ist die Nacht.

Hier befindet sich unser Leben in der Dunkelheit der Aktivität, wo die Welt der Illusion unseren Augen als real erscheint, und der schnelle Ablauf unseres Lebens erscheint uns als gesichert; so schauen wir auch aus dem Fenster eines Zuges – die Bäume scheinen dem Gleis entlang zu laufen, und der Zug steht still.

Wenn sich dann das illusionäre Leben als nicht so real erwiesen hat, wie wir es eine Zeit lang geglaubt hatten, dann kommt der Tag, an dem die Dinge so klar wie bei Tageslicht erscheinen. Das geschieht für einige wenige im Diesseits, für uns alle jedoch im Jenseits.

Hier haben wir zwei Zustände, den Wachzustand und den Traum. Dort wird die einzige Realität der Traum sein. Das wird unser Tag sein, ohne Unterbrechung durch eine dazwischen liegende Nacht. Er wird sich nicht ändern. Und dieser Tag wird für ewig andauern, das heißt, bis unsere Individualität im göttlichen Bewusstsein aufgeht.

Wir träumen von allen Dingen, die sich in unserer Umgebung befinden, und von allen Dingen, wie sie natürlich erscheinen. Wir träumen von einem Pferd oder einem Elefanten, von unserem Bruder, unserer Schwester, unserer Mutter, unserem Vater oder unserem Onkel; doch wir träumen nicht von nicht existierenden Objekten, wie einem Pferd mit Flügeln oder einem Kaninchen mit Elefantenohren, denn diese gehören nicht zu unserer Welt.

Das, wovon unser Bewusstsein beeindruckt ist, das allein ist unsere Welt. Und diese Welt kommt in das Urteil, das immer im Gange ist. Die Welt eines Landwirts wird sein Häuschen mit seiner Familie sein, die Welt des Königs wird die Umgebung seines Palastes sein.

Werden wir uns also nicht in einer großen Versammlung befinden, in der Millionen und Milliarden von Seelen, in welcher Form auch immer, erscheinen werden, und alle Seelen, die auf der Erde existiert haben, werden zur gleichen Zeit geprüft werden?

Es wird uns zwar so erscheinen, doch ist dies nicht die Wirklichkeit; der Tag des Jüngsten Gerichts wird für jeden Einzelnen die ganze Welt in ihm widerspiegeln und es wird seine eigene Erfahrung sein; mit anderen Worten wird in jeder Seele eine Welt auferstehen.

Die bejahenden und verneinenden Aspekte des Gewissens werden beide in vollem Umfang zum Tragen kommen, manchmal in Gestalt von Munkir und Nakir, den Engeln, die unsere Leben aufzeichnen.

In Wirklichkeit wird es wie eine Grammophonplatte sein, die alle Erfahrungen unseres Lebens wiederholt, erinnerte und vergessene, gute und schlechte, zusammen mit dem bewegten Bild aller, die daran beteiligt waren, ob sie vorher oder nachher gestorben sind oder noch auf der Erde leben.

Dies geschieht vor unserer eigenen Seele in der Gegenwart des vollkommen gerechten und mächtigen Wesens, des gründlichen Kenners und Wägers aller Dinge


Wenn der Innere Sinn einmal die ihn umgebenden Mauern durchbrochen hat,

atmet er die Freiheit und das Glück, das der Seele eigen ist

und die die Seele dann erlangt.

 

Gayan - Ragas


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