![]() |
Thema März Durch nichts anderes als dieses Eine: Vertrauen aus: Hazrat Inayat Khan - In an Eastern Rosegarden |
Wir können dies in unserem Alltag sehen. Ein Diener, ein Helfer, ein Assistent, ein Mitarbeiter, ein Partner kann entweder vertrauensvoll oder misstrauisch, vertrauenswert oder des Vertrauens unwürdig gemacht werden; dies tun wir selber mit unserem eigenen Vertrauen. Wie wahr ist es doch, dass wenn der Glaube zu zerfallen beginnt, wenn Zweifel aufkommen, geht dieser Vertrauensverlust so lange weiter, bis wir unserem nächsten und treuesten Freund misstrauen. Der Ehemann misstraut seiner Frau, die Frau misstraut dem Ehemann, der Bruder misstraut seiner Schwester, Eltern misstrauen ihren Kindern. Wir können unserem nächsten Freund misstrauen, und schliesslich zweifeln wir an uns selbst. Dies ist die äusserste Grenze, von da an wird das Leben nichts anderes sein als Qual. Die Frage stellt sich: Ist es richtig, unsere Vernunft zu verschleiern und entsprechend unserem Glauben zu handeln? Die Antwort ist, dass dies nicht richtig ist. Die Vernunft ist der Diener des Glaubens, und Glauben ist der König der Vernunft. Doch Misserfolg kommt, wenn Vernunft zum König wird und der Glaube zum Diener. Erfolg kommt, wenn der Glaube König ist und die Vernunft sein Diener. Wenn das Vertrauen sagt: ‚Ich möchte eine Fabrik eröffnen‘, und die Vernunft antwortete: ‚Ja, du kannst deine Fabrik so aufbauen. Du wirst erfolgreich sein‘, dann ist die Vernunft der Diener, Vertrauen ist an erster Stelle. Der Glauben sagt: ‚Ich werde erfolgreich sein‘, und die Vernunft sagt: ‚Dies sind die verschiedenen Pfade, die du zu gehen haben wirst‘. Auf diese Weise wird der Glauben durch die Vernunft unterstützt. Wenn die Vernunft König ist, ist es ganz anders. Wenn Vernunft König ist, wird sie sagen: ‚Eine Fabrik eröffnen? Weshalb, schau dich doch an, ohne einen einzigen Penny in der Tasche‘. Der Glaube sagt: ‚Ja, du hast recht‘. Die Vernunft sagt: ‚Du hast keine Ahnung von einer Fabrik; wie kannst du dir anmassen, dich an eine solche Sache zu wagen?‘ Und der Glaube antwortet: ‚Ja, ich werde nicht mehr daran denken‘. Wenn die Vernunft den Glauben anführt, wird das Resultat ein Misserfolg sein; doch wenn der Glaube die Vernunft führt, dann kommt der Erfolg. Zum Thema, ob wir Menschen vertrauen sollen, mag vielleicht jemand denken: ‘Ist es richtig, etwas zu glauben, was jemand sagt? Ist es Recht, jemandem zu trauen? Es gibt viele Leute, die des Vertrauens nicht würdig sind; sollen wir dann allen trauen, um unser Vertrauen zu entwickeln?‘ Die Antwort ist Ja. Vielleicht werden wir manchmal versagen, doch werden wir nur jemand anders vertrauen, wenn wir uns selber dies zutrauen; wenn wir in uns selber Vertrauen haben, werden wir auch anderen vertrauen. Ohne Vertrauen in uns werden wir nie jemand anderem trauen; jemand anderem zu trauen bedeutet, dass wir uns selber trauen. Es macht nichts, wenn wir ein- oder zweimal enttäuscht werden; wenn wir uns jedoch davor fürchten, auch nur einmal in unserem Leben enttäuscht zu werden, werden wir vielleicht das ganze Leben hindurch zweifeln, und dann wird gar nie die Zeit kommen, in der wir irgendjemandem oder uns selber trauen werden. Es gibt viele Dinge, die unser Vertrauen entwickeln können. Manchmal kann auch ein Vertrauensunwürdiger jemand werden, der volles Vertrauen verdient. Die Hindus sagen, dass wenn wir Vertrauen haben in ein Götzenbild, dann wird Gott uns zuhören und unsere Wünsche erfüllen; doch wenn wir keinen Glauben haben an den Gott im Himmel, dann wird sogar Er keine Möglichkeit haben, für uns etwas zu tun. Die Bibel sagt, dass der Glaube wie ein Senfkorn ist, der ganze Berge versetzen kann. Da gibt es die Geschichte eines Predigers, der eines Tages in einem kleinen Dorf in In-dien zu den Menschen sprach. Die Bauern, an die er sich wandte, konnten weder Philosophie noch Mystik noch die grossen Probleme des Lebens verstehen. Was der Priester lehrte war: ‚Habt Vertrauen in Gott; Vertrauen ist eine so grosse Tugend‘, und er sagte ihnen, dass wenn jemand ein heiliges Wort wiederholen würde, er auf dem Wasser gehen könne. Jedermann freute sich, so etwas zu hören und sagten zueinander: ‚Wie gross ist dies! Er spricht immer wieder vom gleichen.‘ Am nächsten Tag kam ein alter Mann und sagte: ‚Mein Herr, ich kann die tiefen Probleme des Lebens nicht verstehen, doch hat mich Ihr Gedanke gestern Abend sehr erfreut. Der Priester antwortete: ‚Und was war das?‘ Er sagte: ‚Ich war sehr überrascht, kommen Sie doch bitte zum Nachtessen zu mir, es wäre mir eine grosse Ehre‘. Der Priester sagte: ‚Ja, mit grosser Freude‘. So verabredeten sie sich; als der Tag kam, ging der Bauer dem Priester entgegen, und so machten sich beide auf zum Hause des Bauern. Auf ihrem Weg mussten sie einen kleinen Fluss überqueren. Als sie das Ufer erreichten, sagte der Priester: ‚Wo ist das Boot?‘ ‘Weshalb fragen Sie nach einem Boot?’ antwortete der Bauer. ‚Vorgestern sagten Sie, dass wenn wir jenes heilige Wort sprechen, wir auf dem Wasser gehen können. Und da war ich so überrascht, dass es genauso war. Weshalb sollten wir ein Boot nehmen, wenn wir doch nur die-ses Wort sagen müssen?‘ Doch der Priester konnte es nicht, er war nicht ein wirklicher Lehrer. Und so sagte er zum alten Mann: ‘Sie sind in Wirklichkeit mein Lehrer. Ich habe geredet, doch Sie haben gehandelt; und wenn ich Ihren Glauben hätte, könnte auch ich den Fluss so überqueren.‘ Dies zeigt uns, dass Dinge manchmal verdunkelt scheinen, wie in einem Nebel, oder wie wenn wir durch ein dunkles Glas schauten. Wir fürchten uns schon im Voraus, dass etwas nie eintreffen werde, dass es immer Enttäuschung, Misserfolg, Trauer geben müsse. Depressionen melden sich; wir beginnen zu denken, dass sich die Zeiten nie ändern werden, und immer die gleichen Umstände herrschen werden. Es gibt nur ein Rezept, um diese Wolken wegzublasen, und dies ist, bessere Zeiten zu erwarten, auf etwas Besseres im Leben zu hoffen, zu spüren, dass jeder Gedanke, Wunsch und Impuls, der unser Herz bewegt, von Ihm kommt, und dass sie mit aller Kraft erfüllt werden sollen für einen bestimmten Zweck. Keine Umstände im Leben, weder Freunde noch Ratgeber, weder Vernunft noch Zweifel sollten wir das Recht geben, unsere Gedanken nicht zu verwirklichen. Durch dieses Eine, Vertrauen, ist es, dass unsere Gedanken voller Leben und Kraft bewahrt werden; durch nichts anderes als dieses Eine, Vertrauen. Wahrlich, der Segen ist jeder Seele bestimmt; Hazrat Inayat Khan: Gayan - Suras |
|

