Sohbet der Woche (42 -17)

Musharaff Khan erzählt von der Beziehung zwischen Musiklehrer und Schüler

Das Studium der Musik im Osten ist von ganz anderem Charakter, die Verbindung zwischen Lehrer und Schüler ist viel intimer als im Westen, und dies beruht hauptsächlich darauf, dass die alte Musik Indiens nie aufgeschrieben wurde.

Der Schüler, bevor er angenommen wird, bringt dem Meister ein Geschenk von Früchten und Blumen. Der Meister seinerseits schenkt dem Schüler etwas Süsses zu essen. Der Schüler bringt auch eine Schnur mit, die locker um sein Handgelenk gewunden ist, und der Lehrer bindet diese fest. Weihrauch wird entzündet, sein Duft symbolisiert das Gebet, er gibt der kleinen Zeremonie einen mystischen Ton. Das Schenken von Früchten, Blumen und Süssgebäck, das Binden der Schnur um das Handgelenk sind die äusseren Zeichen der Dankbarkeit des Schülers und des Bandes der Vertrautheit, das nun zwischen Schüler und Lehrer von Anfang an besteht.

Mein erster Musiklehrer war mein älterer Onkel, der älteste Sohn von Moula Bakhsh, Murtuza Khan. Er war seinerseits Schüler meines Vaters, als er noch ein Knabe war, und ich kann mich immer noch an den Tag erinnern, an dem mein Vater ich als Schüler bei ihm vorstellte. Ich war elf Jahre alt, und ich erinnere mich, dass es an einem Donnerstag war. Mein Vater wartete vor der Tür und horchte, bis er meinen Onkel üben hörte, dann gingen wir zusammen in sein Zimmer. Mein Vater hatte Blumen, Süssigkeiten und Weihrauch gebracht, und mit einer tiefen Verneigung bot er ihm diese an, legte sie zu seinen Füssen und stellte mich vor.

‘Meister, hier ist ein Schüler, wenn Du möchtest, nimm ihn bitte an’ sagte er und verneigte sich tief. Das war meine Einweihung in den heiligen Raum der Musik. Mein Onkel gab keine Antwort, und mein Vater zog sich zurück. Mein Onkel, völlig überrascht, war von dieser Handlung, Worten und respektvollen Haltung seines alten Meisters bis ins Tiefste bewegt. Ihr müsst wissen, dass wir eine sehr empfindungsreiche Rasse sind; wir leben nahe bei der Natur, und wir leben in einem intensiven, doch glücklichen Klima.

Ich stand da voller Verwunderung und Erwartung. Mit Staunen sah ich, wie die Hand meines Onkels zitterte, als er eine Süssigkeit zwischen seine Finger nahm und sie zu meinem Mund führte. Ich sah Tränen in seinen Augen, und fühlte seine Bewegung und Zuneigung. Zuerst sang er eine Tonleiter, und ich sang ihm jede Note nach. Ich kann ihn noch vor mir sehen, wenn ich an ihn denke, mit breiten Schultern, kraftvoll, mit einer schwingenden Stimme, eine Art König für mich, der Sohn von Moula Bakhsh und der Bruder meiner Mutter.

Nachdem die Tonleiter vorbei war, sang er ein Lied an Sharda, die Göttin der Musik. Dann sang er eine Hymne an den Propheten Mohammed. Der Raum wurde heilig für mich. Diese Lektionen mit meinem Onkel blieben immer die glücklichsten und schönsten Augenblicke in meinem Leben.

Mit tiefer Dankbarkeit, lieber Musharaff, für Deine Arbeit und Deinen Bericht..

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Herzlich

Puran


Liebe Freunde, hier sind die gesammelten 'Sohbets', viel Freude beim Zuhören!