Sohbet der Woche (50 -17)

Rabia Martin schreibt einen Brief an Hazrat Inayat Khan

Prof. Inayat Khan:                        San Francisco, April 17, 1911

Sehr geehrter Herr,

Ich muss Ihnen meine grosse Freude und Wertschätzung mitteilen, zu Ihrer wunderschönen und wissenschaftlichen Auslegung von Musik, wie ich gestern im Hindu-Tempel der Vedanta Society in San Francisco, 2963 Webster Street, das Privileg hatte, diese zu hören.

Ich kann an nichts anderes denken, weil ich jahrelang darauf gewartet habe, jemanden öffentlich die Wahrheit aller Kunst beschreiben zu hören, ob in Musik, Malerei oder Dichtung. Ich habe mich immer über den Mangel an Verständnis gewundert, wie sie in den Gemütern der grossen Mehrheit existiert; sie geben zwar vor zu lehren, doch geben den Schülern nicht einmal einen Hinweis darauf, dass der erste Schritt zur Entwicklung, in welcher Richtung auch immer, seine Basis auf die inneren Gesetze stützen muss.

Oh! Die Schönheit Ihrer Interpretation erfüllt mich mit solcher Freude, Mut und Licht. Ich bin mir völlig sicher, dass ich von nun an immer Indien als das wahre Zentrum der Musik anerkennen werde, und Amerika oder jedes andere Land sollte hier sofort die Prinzipien der Musik so übernehmen, wie Sie diese gelehrt haben und sie sofort anwenden, zumindest soweit, wie sie diese verstehen können.

Wenn Lehrer und die Menschheit im Allgemeinen zu den Wirklichkeiten des Lebens erwachen und erkennen, wie eitel die Annäherung an das Ideal ist, wenn ihr nicht die innere Kultur vorangeht, so wird die Menschheit die Herrlichkeit Gottes in all ihren wundersamen Manifestationen anerkennen, doch nicht, bis dies geschehen wird.

Ihre Botschaft ist wunderbar für die Menschheit, weil so viele Seelen auf den Wegen der Musik inspiriert werden können. Ich selber hatte nie irgendeine musikalische Bildung, doch bin ich eine Musikerin im Geiste; weil wenn wir zu einer bewussten Verwirklichung des wahren Selbst kommen, findet da die Musik in der Seele nicht auf verschiedensten Wegen ihren Ausdruck?

Ich habe den Geist des Ostens immer geliebt, und seine Philosophie bringt mir viel Licht, die ‘Gita’ ist immer in Griffweite, in ihr kann ich Trost und Frieden finden. Vielleicht kann ich, wenn ich in diesem inneren Bewusstsein des Lebens weiter voranschreite, (Samadhi) erreichen? Jenen besonderen Bewusstseins-zustand, der das Ziel ist?

Ich werde still und geduldig arbeiten, und wenn solche Botschaften, wie Sie lehren, ans Licht kommen, umso schneller wird dann der Fortschritt sein, den wir machen werden. Wenn Sie irgend ein Buch über Musik geschrieben haben, oder wenn es Veröffentlichungen gibt in Indien, könnten Sie mir bitte einen Hinweis geben, welche ich auswählen soll, da ich gerne möchte, dass mein Kind sie lesen und studieren kann, weil auch sie sehr daran interessiert ist.

Im Wissen, dass Ihre Botschaft viele Lehrer erreichen wird, die sich dieser Wahrheit noch nicht bewusst sind, verbleibe ich in aller Aufrichtigkeit.

        Mrs. Ada Martin, 1054 O. Fanell Ave, San Francisco, Calif.

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Herzlich

Puran


Liebe Freunde, hier sind die gesammelten 'Sohbets', viel Freude beim Zuhören!