Reflektionen I - 59 - Charakterbildung

von Hidayat I. Khan - siehe Buch 'Geistige Freiheit' - klick hier


Wir nützen niemandem, wenn wir das Fehlverhalten anderer betonen; nur durch unser eigenes Beispiel können wir hilfreich sein. In jedem Fall gilt: Lass nie zu, dass ein Freund zu einem Feind wird, und unternimm alle Anstrengungen, einen Feind zum Freund zu machen.


Inneres Bewusstsein kann nur entwickelt werden, wenn wir einen dornigen Pfad gehen, der die Kunst der Persönlichkeit genannt wird. Die Reise auf diesem Pfad verlangt dauernde Anstrengung, unseren Charakter in ein lebendiges Beispiel von Liebe, Harmonie und Schönheit zu formen, so dass wir Bringer von Glück werden mögen; dabei alles zu übersehen, was uns stört, wenn andere nicht mit unserem Denken übereinstimmen, und jede Anstrengung zu unternehmen, um an unseren eigenen Fehlern zu arbeiten, statt andere zu beurteilen.

Sogar wenn wir fallen, ist darin ein Stein verborgen, der uns zur Stufe werden kann, um Unvollkommenheiten, Unterscheidungen und Verschiedenheiten zu überwinden. Dadurch können wir unser Ego auf einen höheren Ton stimmen, der mit denen harmoniert, die uns begegnen; und vielleicht können wir dann in dieser Harmonie mit ihnen auch Zeichen verborgener Führung entdecken.

Es gibt keine Erfahrung im Leben, die wirklich wertlos ist, und es gibt keinen Augenblick, der wirklich vergeudet ist, vorausgesetzt wir sind weise genug, die Fragmente und Teile vergangener Erinnerungen sorgfältig zusammenzutragen und aus ihnen die Vorstellung unseres Lebensziels zu verwirklichen, auch wenn unsere eigenen Visionen von richtig oder falsch vielleicht nicht immer mit denen der anderen übereinstimmen.

Jede Rolle, die wir als Schauspieler im Spiel des Lebens spielen, wird bald zur Berauschung; in ihrem Banne hängen wir uns an die Illusion der eigenen Identität. Doch sobald wir entdecken, dass nichts wirklich absolut ist, erkennen wir, dass alles nur ein Spiel des Augenblicks ist, ob hell oder dunkel, dass alle Werte nur im Vergleich mit anderen ihre Gültigkeit erhalten, je nachdem, aus welchem Blickwinkel wir sie betrachten. So erkennen wir, dass diese Werte im Vergleich mit der unbeschränkten Wahrheit, die sich jenseits aller spekulativen Theorien befindet, nicht lange Bestand haben.

Das Selbst, an das wir uns klammern, und das lediglich eine Illusion unserer wahren Identität ist, ist trotz alledem der Kanal, durch den die Seele zur Betrachterin aller Ereignisse wird, die als Eindrücke auf einen Spiegel geworfen werden; jedoch erreichen die Bilder nur seine Oberfläche, ohne dauernde Veränderungen zu verursachen, und lassen den Spiegel der Seele unbefleckt rein.

Hidayat Inayat-Khan