Mitgefuehl

Forum Dezember

Der Jüngste Tag - 1

.aus: Hazrat Inayat Khan -

'Aqibat, Life After Death'

(siehe auch Ratgeber)

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In der buddhistischen und in der hinduistischen Religion kommt der Jüngste Tag kaum vor, weil bei ihnen die Karma-Lehre im Zentrum steht. Doch im Qur’an taucht er oft auf, in den verschiedenen Suren, auf dem Jüngsten Tag liegt große Betonung, auch in der Bibel wird sehr oft von ihm gesprochen.

Dieser Jüngste Tag, den verschiedene Religionen zum Thema haben, ist ein großes Geheimnis.

Alles, was wir darüber sagen können ist, dass kein Augenblick der Zeit, kein Blinzeln eines Auges vergeht ohne eine Beurteilung; im Gewissen jedes Einzelnen ist die Fähigkeit zu urteilen angelegt, sie urteilt über sich selbst und andere, und diese gleiche Fähigkeit extistiert in ihrer Vollkommenheit im universalen Bewusstsein, das das ganze Universum beurteilt.

Die erste ist die menschliche Gerechtigkeit, die zweite die Gerechtigkeit Gottes.

In der menschlichen Gerechtigkeit finden sich Parteilichkeit und Irrtum, denn das menschliche Gewissen ist von sich selbst überschattet; daher ist das Sehvermögen des Gewissens getrübt. Gottes Gerechtigkeit ist die eigentliche Gerechtigkeit, denn kein Schatten der Parteilichkeit fällt auf Sein universelles Bewusstsein, weil das ganze Universum Sein Blickfeld ist und Sein Blick daher präzis ist.

So wie unsere Gerechtigkeit unsere Vorlieben und Abneigungen bestimmt und in uns Gunst oder Ungunst für einen anderen schafft, so ist es auch bei Gott. Er rechnet die Taten auf und vergibt Belohnungen und Strafen; Er vergibt auch in Seiner Barmherzigkeit und Seinem Mitgefühl, wem auch immer Er zu vergeben beschließt, so wie wir Menschen es auf unsere kleine Weise tun.

Für einen Kurzsichtigen ist die menschliche Gerechtigkeit klar, doch Gottes Gerechtigkeit ist ihm zu vage, um sie zu erfassen; und da sind viele scheinbare Beispiele, die ihn in die Irre führen, wie z.B. dass Gerechte schlecht behandelt werden, während die Bösen das Leben genießen; aber der Scharfsichtige kann auch das Ende von Genuss der Bösen und der Misshandlung der Gerechten sehen.

Der Mensch mit klarer Sicht kann erkennen, dass der Schlag für den einen auf seine Zeit wartet und der Lohn für den anderen vorbereitet wird. Es ist nur noch eine Frage der Zeit. Einem materiellen Menschen erscheint dies absurd. Er denkt: ‘Wenn ich jemanden beraube und die Polizei mich erwischt, ist das mein Urteil. Wenn sie mich nicht erwischen, ist es in Ordnung; dann bin ich davor sicher. Wenn ich ein Portemonnaie voller Geld habe und Anwälte bezahlen kann, dann ist es in Ordnung’. Denn er erkennt kein Jenseits; er sieht nur das Diesseits.

Ein einfacher Glaubender glaubt, dass es einen Jüngsten Tag gibt, doch er weiß kaum etwas darüber. Ein Sufi jedoch soll verstehen, dass es in unserem Gedächtnis eine Aufzeichnung jeder Handlung, jedes Gedankens und jeder Arbeit gibt - das Manuskript der Natur, das vor unserem eigenen Gewissen offen liegt; und wenn ein Mörder vielleicht der Polizei entkommen kann, so kann er nicht vor seinem eigenen inneren Gewissen fliehen.

Wir könnten denken: ‘Es ist sein eigenes Gewissen, was macht es schon, wenn es eine Zeit lang unruhig ist?’ Doch dahinter steht das universale Gewissen, es ist vollkommen gerecht und allmächtig; es könnte ihn, wenn er aus dem Lande flieht und im Wasser Zuflucht sucht, zur Strafe für sein Verbrechen sogar durch die Wellen des Meeres hängen.

Alles, was wir tun, alle unsere Werke, haben drei Aspekte: den Anfang, die Handlung und das Ende. Am Anfang steht die Hoffnung, in der Handlung die Freude, doch am Ende kommt die Erkenntnis.


Aus der Schale des gebrochenen Herzens

erhebt sich die neugeborene Seele.

 

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