Forum März Am Anfang hat jede Seele Vertrauen aus Hazrat Inayat Khan: In an Eastern Rosegarden |
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Am Anfang hat jede Seele Vertrauen. Wie kann es dann sein, dass der Mensch diese Eigenschaft verliert, die ihm die Natur geschenkt hat? Er verliert sie, weil er Namen und Formen kennenlernt. Wenn er aufwächst, bedeckt er seinen Glauben mit dem Wissen von Namen und Formen und nennt dies ‚Lernen‘. Auf jedem Schritt auf seinem Fortschritt zum Wissen hin vergleicht er Dinge und betrachtet die einen besser als die anderen, sagt zum einen ‚Dies ist wahr‘ und zum anderen ‚Dies ist falsch‘, ‚Dies ist, was ich glauben und worauf ich mich verlassen kann‘ und ‚dies ist, was ich nicht glauben und worauf ich mich nicht verlassen kann‘. Das eine nennt er wahr, das andere falsch; doch in Wirklichkeit ist weder das eine noch das andere weder wahr noch falsch. Nur am Anfang des Lernens geht der Mensch durch dieses Stadium. Später, wenn sich ein Mensch über das gewöhnliche Wissen erhoben hat, erreicht er eine Stufe, auf der er sagen kann: ‚Alles, was ich wahr genannt habe, ist nicht wahr, und alles, was ich falsch genannt habe, ist nicht falsch‘. Er erkennt dass wo immer ein Unterschied ist, dies nur ein Unterschied ist, wenn er vergleicht. Dieser Punkt ist schwierig und vage, und nicht jeder nimmt ihn wahr. Die menschliche Lebensbahn beinhaltet so viele Enttäuschungen, so viel Versagen, so viel Herzenskummer, dass niemand vermeiden kann, dass er zweifelt. Es gibt einen Spruch unter den Bauern Indiens: ‚Wer einmal seine Zunge an heisser Milch verbrannt hat, wird sogar über die Buttermilch blasen, um sie zu kühlen.‘ Wenn ein Mensch einmal von einem einzigen anderen enttäuscht wurde, misstraut er zehn Leuten; wenn er einen einzigen als unzuverlässig erlebt hat, wird er vielleicht von hundert anderen denken, dass sie unzuverlässig seien. Wenn er einmal versagt hat, vermutet er, dass er in tausend anderen Dingen versagen werde. So viele Dinge gibt es, die jene natürliche und kraftvolle Eigenschaft rauben, die zuerst da war, jener Glauben, der das Geheimnis der ganzen Schöpfung ist, das Geheimnis allen Erfolges, der im Leben erreicht werden kann. Dieser Glaube wird durch die entmutigenden Erfahrungen im Leben gebrochen. Wenn das Vertrauen in andere verloren ging, dann haben wir auch das Vertrauen in uns selber verloren; und je mehr wir es verloren haben, desto mehr Versagen treffen wir an. Ein zweifelnder Mensch betrachtet sich als weise und einen, der einen einfachen Glauben hat, als Narr. Wen immer er sieht, wird er verdächtigen; was immer er hört, wird er als richtig oder falsch taxieren. Er wird sogar seinem Geschäftsfreund misstrauen und hofft auf die Zeit, dass er ihm eines Tages vertrauen könnte; doch diese Zeit kommt nie. Seine eigenen Zweifel schaffen im Gemüt desjenigen, den er verdächtigt, ebenso Zweifel; und oft werden Zweifel wahr als Wirkung der Gedanken des Zweiflers; oder sie schaffen eine Illusion die für eine Zeitlang ein Bild seines Zweifels zeigen. Wir sind hier, um den Zweck unseres Lebens zu erfüllen. Was ist dieser Zweck? Unsere Sehnsucht, unsere Neigung, die allzeit am Wirken ist in unsere Gemüt, dies ist der Zweck unseres Lebens. Wenn wir unsere Neigung nicht erfüllen können, gehen wir von dieser Welt, ohne unseren Zweck erfüllt zu haben. Wie Omar Khayyam sagt: „Der Himmel ist die unseres erfüllten Wunsches; die Hölle ist der Schatten einer Seele in Flammen‘. Wenn die Sehnsucht nicht erfüllt ist, so steht die Seele natürlich in Flammen. Doch gibt es keinen Grund, weshalb ihre Sehnsucht nicht erfüllt werden sollte; dass die Sehnsucht überhaupt existiert, ist das Versprechen ihrer eigenen Erfüllung. Im Herzen des Menschen ist die Sehnsucht Gottes an-gelegt. Der Qur’an sagt, dass ohne den Willen Gottes sich nicht einmal ein einziges Atom bewegen kann. Dies zeigt, dass jede Welle von Gedanken und Gefühlen, jede Bewegung und Handlung in der Tiefe von Gott stammt. Jeder Gedanke, der in unserem Gemüt aufsteigt, ist ein Gedanken von Gott, auch wenn er als Alltagsgedanke in der Welt erscheint. Wenn der Mensch einmal erkennt, dass jede Aktivität und jeder Impuls in seinem Gemüt in Wirklichkeit von Gott stammt, wird ihm von diesem Augenblick an klar, dass er erfüllt werden muss. Wenn er nicht erfüllt wird, ist die menschliche Beschränkung die Ursache der Behinderung; er hat seiner Schwäche erlaubt, den Impuls zu erfüllen. Es ist der Man-gel an Glauben, der Versagen verursacht. Im Vertrauen liegt das Geheimnis der Erfüllung oder Nicht-Erfüllung von jedem Gedanken. Es gibt keinen Zweifel an der Erfüllung eines Wunsches, wenn der Glaube des Menschen mit ihm wirkt. Doch wenn unsere eigene Vernunft und Zweifel kommen und so die Hoffnung zerstören, dann werden wir Versagen antreffen. Welch wichtige Rolle spielt Vertrauen im Leben? Gibt es etwas Vergleichbares? In der arabischen Sprache wird es Iman genannt. Die Gesamtheit von Religion ist Vertrauen, wie viel die Menschen sie auch unterschiedliche Glaubensformen genannt haben. Das Vertrauen selbst ist Religion. Bedeutet dies also, dass wird jedem blind glauben und vertrauen sollen? Wäre dies nicht ein blinder Glaube? Würde so etwas nicht die Vernunft verdunkeln, die Fähigkeit, zwischen Recht und Unrecht zu unterscheiden, zwischen dem Möglichen und dem Unmöglichen? Nehmen wir an, jemand sagt zu dir, du wirst ein König, und du glaubst es; dies wäre ein blinder Glaube, weil es keine Möglichkeit gibt, dies zu erreichen; noch unmöglicher wäre es, wenn er sagen würde: ‚Du bist ein König‘, wenn du selbst keine Anzeichen von Königtum in Deinem Leben erkennen würdest, sondern eher das Gegenteil! Doch der Punkt ist, dass die erste Lektion, die wir lernen sollen ist, Vertrauen in uns selber zu haben. Wie viele unter uns gibt es, die sich selber nicht trauen! Genau dieser Mangel ist es, der die Ursache ist, dass sie kein Vertrauen in andere haben. Wenn ein Mensch einmal Vertrauen hat in sich selber, wird er auch anderen vertrauen können. Wenn wir zum Beispiel spüren, dass ein Mensch gut und spirituell ist, was macht es da aus, wenn die restliche Welt dein Empfinden nicht teilt? Doch wenn jemand sagt: ‚Ich weiss nicht, vielleicht hat der andere Recht mit dem, was er denkt, und ich nicht‘, dann hat er kein Vertrauen. Er weiss nicht, was Vertrauen ist. Er wird vielleicht Vertrauen in einen einzigen Menschen haben, und nach einiger Zeit wird er es verlieren. Ein Mensch, der nicht an sich selber glaubt, kann an niemand anderen glauben, und so ist er in Wirklichkeit ein Ungläubiger. Das Vertrauen beginnt im eigenen Inneren. Der Glauben an uns selber sollte so stark sein, dass wenn sogar tausend Leute ‚Nein‘ sagen würden, du selber trotzdem ‚Ja‘ sagen kannst. Sich jede Meinung von der Sicht der anderen abzulesen, sich selber nicht zu sagen trauen, ob es Tag oder Nacht ist, führt am Ende dazu, dass wir nicht nur den anderen miss-trauen, sondern sogar eine Art Irrsinn entwickeln. Vertrauen bedeutet Selbstvertrauen. Das Geheimnis des Glaubens ist, dass er als Medizin verwendet werden kann, und er wird besser sein als Medizin; er kann Reichtum sein und sogar grösser als Reichtum; er kann eine Religion sein und grösser als Religion; Glück, und mehr als Glück. Weil wir Vertrauen weder kaufen noch verkaufen können. Wenn es etwas gibt, das wir Gnade Gottes nennen können, ist es Glaube und Selbstvertrauen. Es ist etwas, das wir weder lehren noch entwickeln können; es muss in uns selber sein, und wir können es nur stärken, indem wir es lieben und uns daran erfreuen. Er muss sich aus sich selber heraus entwickeln. Vertrauen ist in Wirklichkeit eine Kraft, die durch unser ganzes Leben hindurch wirkt, und es wird uns zum Zeitpunkt unserer Geburt verliehen. Diese Kraft wird verdunkelt, sobald wir unsere Vernunft entwickeln, und dies geschieht, wenn wir uns das Wissen aneignen, um lediglich unser Leben zu erhalten; und dann verlieren wir unser Selbstvertrauen ebenso wie das Vertrauen in andere. Dies ist Zweifel, der grösste Feind der Seele auf ihrem fortschreitenden Weg auf die Selbstverwirklichung zu. Er schwindet dann, wenn wir erkennen, das Vertrauen in Wirklichkeit eine Kraft ist, die von Gott kommt; durch sie sucht Er einen Weg, um sich durch den Menschen auszudrücken. Vertrauen wird dann sicher, wenn wir nicht blind glauben, sondern sorgfältig nach Einsicht suchen im Leben, das uns umgibt. Das Höhere Selbst wird dann zu etwas wie ein Reiter auf einem Pferd und leitet all die Geschäfte und Taten des niedrigeren Selbst. Glauben verteidigt die angeborene Sehnsucht des Höheren Selbst, und je mehr sich das Vertrauen entwickelt, desto grösser wird sein Einfluss, durch uns hindurch, auf die ganze Umgebung. Vertrauen erzeugt Vertrauen. Der Glauben muss auch starker sein als die Vernunft, und der Vernunft die Richtung geben; und er wird dies umso sicherer tun, wenn wir erken-nen, dass jeder Gedanke, jeder Wunsch und Impuls, der unser Herz bewegt, von Gott kommt, und er verwirklicht werden soll für einen grossen Zweck der in Ihm liegt. Manchmal wird jemand sagen: ‘Ich hatte einmal grosses Vertrauen, doch im Verlaufe meines Lebens habe ich Menschen angetroffen, denen ich nie trauen konnte. Sie betrogen mich, und seither habe ich das Vertrauen in alle verloren‘. Dieser Mensch ist sehr zu bedauern; er hat so viel mehr verloren als alle anderen. Die gute Eigenschaft, die in ihm war, wur-de durch unglückliche Erfahrungen getötet. Wie wichtig ist es daher, dass das Herz des Gläubigen ungebrochen bewahrt werden sollte! In Indien gibt es einen Sport, Vögel gegeneinander kämpfen zu lassen, er heisst Buttase. Zwei Vögel werden auf einen Tisch gestellt, und alle stehen zu ihrem Vergnügen darum herum. Sobald die Vögel einander sehen, greifen sie einander an. Der Besitzer jedes Vogels denkt, dass seiner gewinnen wird und er einen Preis gewinnt. Doch sobald sich zeigt, dass der eine Vogel unterliegt, wird ihn sein Besitzer vom Tisch nehmen und zum anderen sagen: ‚Du hast gewonnen, wir kämpfen nicht weiter.‘ Er möchte seinen Vogel davor bewahren, dass er ent-täuscht wird. Dann würde der Vogel ohne Vertrauen zurückbleiben. Jene, die kein Vertrauen haben in sich selber, deren Glaube gebrochen ist, sind wie der Vogel, der sich gefallen lässt, geschlagen zu werden. Wie stark er auch werden wird, es wird immer der Eindruck in seinem Gemüt bleiben, geschlagen worden zu sein, und dies kann er nicht ertragen. Treue hat einen Duft, der in der Atmosphäre des Gläubigen wahrnehmbar ist. Hazrat Inayat Khan - Gayan - Boulas |
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