Forum September

Der Einfluss von Musik auf unser Wesen (1)

aus: Hazrat Inayat Khan -

Mysticism of Sound and Music

(siehe auch Thema)

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Auf dem Feld der Musik gibt es noch viel zu erforschen, und der innere Einfluss der Musik ist der modernen Wissenschaft nur sehr wenig bekannt. Aus ihrer Sicht lernen wir, dass der Einfluss der Musik, oder Klang und Schwingung, von aussen zu uns kommt und die Sinne berührt. Doch da bleibt eine Frage offen: Was ist die Quelle des Einflusses, der aus unserem Inneren kommt? Das wahre Geheimnis des inneren Einflusses von Musik ist in ihrer Quelle verborgen, der Quelle, aus der Klang entspringt.

Es ist einfacher und leichter zu verstehen, dass die Stimme einen bestimmten inneren Wert hat, und dass jede Stimme ihren inneren Wert und ihre innere Kraft ausdrückt. Oft spüren wir die Persönlichkeit von jemandem, wenn er am Telefon über eine grosse Distanz mit uns spricht. Ein empfindsamer Mensch kann die Wirkung der Stimme spüren, ohne den Sprecher zu sehen. Viele hören nicht so sehr auf die Worte, sondern mehr auf die Stimme, die die Worte sagt. Dies zeigt uns, dass sich unsere innere Entwicklung im Sprechen zeigt, und besonders auch im Singen.

In Sanskrit wird der Atem Prana genannt, das Leben selbst. Und was ist die Stimme? Die Stimme ist Atem. Wenn es irgendetwas im Leben gibt, in der Beschaffenheit eines Menschen, das wir Leben nennen könnten, ist es der Atem. Der Atem, der sich im Äusseren manifestiert – der Klang der Stimme – heisst Prana. Daher kann ein Mensch sich am besten in dem ausdrücken, was er singt, oder was er sagt. Wenn es etwas gibt in der Welt, das dem Gemüt und den Gefühlen Ausdruck verleihen kann, ist es die Stimme. Oft geschieht es, dass ein Mensch mit tausend Worten über ein Thema spricht, und er macht keinen Eindruck. Ein anderer Mensch drückt seinen Gedanken in drei Worten aus, und er hinterlässt einen tiefen Eindruck. Dies zeigt, dass die Kraft nicht in den Worten liegt, sondern in dem, was hinter den Worten liegt, d.h. in der inneren Kraft der Stimme, die aus dem Prana kommt. Sie ist es, die den Zuhörer beeindruckt.

Das Gleiche finden wir auch in den Fingerspitzen des Geigers, und es kommt auch von den Lippen eines Flötenspielers. Der Musiker bringt den Eindruck, der aus seinen Gedanken stammt, durch sein Instrument hervor. Er mag sehr geschickt sein, doch wenn seine Fingerspitzen kein Gefühl des Lebens hervorbringen, wird er nicht erfolgreich sein. Über die Musik hinaus, die er spielt, ist es der Wert des Prana, oder der inneren Kraft, die seinem Spiel die Essenz verleiht.

In Indien gibt es Vinaspieler, die keine Symphonie spielen müssen, um Einfluss zu verbreiten, um ein Phänomen hervorzubringen. Sie nehmen nur die Vina in ihre Hand und spielen eine Note. Sobald sie nur eine einzige Note spielen, geht sie durch und durch. Mit einer oder zwei Tönen haben sie die ganze Zuhörerschaft eingestimmt. Sie wirken auf alle Nerven; es ist, wie wenn sie die Laute spielen würden, die in jedem Herzen wohnt. Ihr Instrument wird nur zur Quelle, und das Echo von ihr finden sie im Herzen jedes Menschen, Freund und Feind gleichermassen. Wenn ein zutiefst feindseliger Mensch vor einem wirklichen Vina-Musiker sitzt, wird er seine Feindschaft nicht halten können. Sobald die Noten in berührt haben, kann er die Schwingungen nicht aufhalten, die in seinem Inneren geschaffen wurden, er kann nicht anders als zum Freund zu werden. In Indien heissen solche Spieler auch Vina-Magier, statt Musiker. Ihre Musik ist Magie. Zweifellos hängt die Kraft der Musik vom Grad der inneren Entwicklung ab, die dieser Mensch berührt hat.


Die Epoche unserer inneren Entwicklung hängt vom Rhythmus unseres Lebens ab.

 

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