Northstar

Ratgeber Dezember

Der Jüngste Tag - 2

.aus: Hazrat Inayat Khan -

'Aqibat, Life After Death'

(siehe auch Thema)

Alle Themen als Audio-Sammlung hier



Am Morgen, wenn wir aufwachen, sind wir frisch und bereit, die Arbeit des Tages zu planen. Ein Mensch arbeitet den ganzen Tag, und am Abend sieht er, welches Ergebnis er mit seiner Arbeit erzielt hat, wie viel er gewonnen hat. Wenn ein Kind geboren wird, ist es frisch und bereit, alles zu genießen. Es freut sich über jede Kleinigkeit, jede kleine Puppe, die es bekommt. Es weiß nicht, wo die Welt ist und was die Sorgen des Lebens sind.

Dann muss der Mensch durch alle Erfahrungen des Lebens gehen, gute und schlechte; und wenn das Alter kommt, dann sieht er die Ergebnisse seiner Handlungen. Zur Zeit des Handelns sieht er sie nicht, denn unser Handeln macht blind. Wenn er für Reichtum gearbeitet hat, hat er Reichtum bekommen; wenn er für Ruhm gearbeitet hat, wird er ihn haben. Und wenn er liebt, erhält er die Zuneigung und Mitgefühl seiner Umgebung.

Wenn er dann alt wird, ist dies die Zeit seines Gerichts auf Erden. Dann sieht er die Belohnung für sein Handeln. Wenn er jemanden ermordet hat, ist sein Gericht, dass er gehängt wird. Wenn er gestohlen hat, sitzt er im Gefängnis und bereut. Doch die Zeit des Handelns kommt nur einmal, und danach ist es zu spät, unsere Fehler wiedergutzumachen.

Es gibt viele Dinge, die wir tun, die im Augenblick in Ordnung zu sein scheinen, doch hinterher ist unser Selbst nicht zufrieden. Es ist wie bei einem Menschen, der etwas isst, das im Moment angenehm schmeckt, aber hinterher einen schlechten Geruch erzeugt, so dass der Geruch seines eigenen Atems ihm Kopfschmerzen bereitet.

Was auch immer an ihm geduldet wurde, hat nur solange Gültigkeit, wie er Kraft, Magnetismus und Aktivität hatte, zusammen mit Energie, Auftreten und Aussehen. Doch wenn die Kraft ihn verlassen hat, dann duldet ihn niemand mehr. Er ist griesgrämig geworden; seine Kinder wollen ihn verlassen, weil sie sagen, dass der alte Papa den Verstand verloren hat; seine Freunde verachten ihn, weil sie sagen, dass er nichts mehr taugt.

Es gibt viele Gewohnheiten und Schwächen des Gemütes, die in der Jugend nicht von großer Bedeutung zu sein scheinen, wie Eifersucht, Gier, Neid, Zorn und Leidenschaft. Wenn die Jugend, die Kraft und Anziehungskraft der Jugend vorbei sind, bleibt nur noch die Schwäche mit ihrem klaffenden Mund. Solange wir mit einer Tätigkeit beschäftigt sind, sind wir blind. Unsere Augen öffnen sich erst, wenn das Ergebnis eintritt.

Ein Padischah ritt einst durch den Dschungel. Als er eine Brücke überquerte, sah er einehr en Mann, der war ziemlich betrunken und stand mitten auf der Brücke. Der Mann rief: ‘Willst du mir dieses Pferd verkaufen, oh Reisender?’, er war ziemlich betrunken und erkannte den Reiter nicht.

Der Padischah dachte: ‘Er ist betrunken’, und beachtete ihn nicht. Nachdem er einige Stunden im Dschungel gejagt hatte, kehrte er zurück und sah den Mann, der in der Mitte der Straße gestanden hatte, nun am Straßenrand sitzen.

Der Padischah fragte den Mann belustigt: ‘Willst du nun dieses Pferd kaufen?’ Die Trunkenheit des Mannes war jetzt verflogen. Er war erstaunt darüber, wie er mit dem Padischah in seinem betrunkenen Zustand gesprochen hatte, doch glücklicherweise fiel ihm eine geistreiche Antwort ein.

Der Mann sagte: ‘Der Käufer des Pferdes ist gegangen, doch der Pferdepfleger ist geblieben’.

Diese Antwort amüsierte den Padischah, der über seinen Fehler hinwegsah.


Wie soll ich Dir für Deine Barmherzigkeit und Dein Erbarmen danken, o König meiner Seele?

Was hast Du nicht alles getan für mich, als ich allein durch die Wüste wanderte,

in der Finsternis der Nacht? Du kamst mit Deiner brennenden Fackel und hast meinen Weg erhellt.

Erstarrt in der Kälte der Herzenshärte der Welt suchte ich Zuflucht bei Dir,

und Du hast mich mit Deiner unendlichen Liebe getröstet.

Ich klopfte schliesslich an Deine Pforte, als ich nirgendwo auf der Welt eine Antwort bekam,

und Du hast den Ruf meines gebrochenen Herzens bereitwillig erhört.

 

Gayan - Ragas

(Maheboob Khan, Hazrat Inayat Khans Bruder, hat in der Mitte des letzten Jahrhunderts eine Reihe von Hazrat Inayat Khans Aphorismen in Musik gesetzt, wie das ‘How Shall I Thank Thee’. Mohammed Ali Khan, Hazrat Inayat Khans Cousin, hat ums Jahr 1956 herum dieses Lied in einem Konzert in Zürich gesungen – hier könnt Ihr es hören)


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